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Persönlichkeitsentfaltung

Individuelle Entfaltung statt Einheitsdrill

Förderung für Problemschüler

Wert des Einzelnen - Wirtschaftlichkeit oder Individualität?

Es gibt wenige Themen, mit denen sich die Politik stärker auseinandersetzt als mit Bildung. Sei es Fortbildung für Senioren und Berufstätige, Ausbildung bzw. der Mangel an passenden Stellen, Schulbildung zur Förderung der Kleinen - oder frühkindliche Bildung, um bereits in den Kleinsten das Fundament zu legen.
Doch was ist Bildung überhaupt? Wer legt Ziele und Methoden fest?

Eltern haben oft nur eine oder zwei Chancen, das perfekte Kind heranzuziehen. Man selbst würde über eine schlechte Note in Mathe ja hinwegsehen, aber die Zukunft, die berufliche Karriere! Wo bleibt die, wenn nicht frühstmöglich mit Bildung begonnen wird? So buchen sie Chinesischunterricht für Säuglinge, zweisprachige Betreuungsangebote, Museumsbesuche und Wellnessbehandlungen für Kindergartenkinder.
Jedoch: In einem Jahrgang bleiben acht Prozent ohne Schulabschluss. Oft werden sie bereits im Kindergarten "ausgesondert", da ihnen Frühbildung fehlt. Sei es die deutsche Sprache oder soziale Kompetenz, sei es Zahlenverständnis oder Aufmerksamkeit - ihnen fehlen später vorausgesetzte Grundlagen, so dass sie zum unverschuldeten Außenseiter werden. Gerade Problemschüler brauchen Zuwendung und Förderung, doch gehen sie im Alltag unter, da sie nicht mit den anderen Schritt halten können. Hier wäre es angebracht, ihnen das beizubringen, was ihnen in der frühen Kindheit offenbar abging: soziale Kompetenzen, gutes Deutsch, Freude am Lernen etc.

Erwachsene merken, dass in der Jugend heutiger Kinder vieles verpasst wurde, und suchen dies nun nachzuholen. Man hört von Problemfamilien, in denen Kinder misshandelt werden oder nicht ausreichend Vorbereitung auf die Schule erfahren. Die Lösung? Man biete flächendeckend Krippen und Kindergärten an, am besten verpflichtend. Man hört von Jugendlichen, die nach der Schule allein gelassen herumlungern und Blödsinn bauen. Die Lösung? Man richte Ganztagsschulen ein oder schicke das Kind zur Nachhilfe.

Bildungsreformen sollen Abhilfe schaffen und das deutsche Bildungssystem an die Weltspitze katapultieren. Vielleicht auch die Karriere des einen oder anderen Politikers vorantreiben. Dabei spielen Pisa- und andere Tests für Deutschland eine große Rolle, während andere Staaten sie eher achselzuckend zur Kenntnis nehmen.
Doch bei all ihren Reformen laufen die Deutschen Gefahr, viel Gutes zu opfern. Warum denn Bildung im Schnellverfahren (Beispiel G8) - warum nicht Bildung im individuellen Tempo, warum nicht Zeit lassen? Warum sich das Wissen nicht setzen lassen, wo man doch weiß, dass schnell Gelerntes auch schnell vergessen wird? Warum sich nicht mal nach den Wünschen der Schüler richten, wo man doch aus der eigenen Schulzeit weiß, dass man nur das tatsächlich lernte, das einen begeisterte?
Und warum, vor allem, das deutsche Bildungssystem als so schlecht ansehen, obwohl die Deutschen es doch zum Exportweltmeister brachten? Warum die Schule alle paar Jahre reformieren, kaum dass neue Tests ausgewertet oder bessere Schulsysteme entdeckt wurden? Warum nicht am Vorhandenen ansetzen, die Schwächen ausbügeln statt alles zu ändern?
Bildung ist nicht nur Schulbildung, wie man am Beispiel Albert Einstein sieht. Ist nicht nur Drill und Paukerei, sondern hat auch mit Spaß und Neugier zu tun. Richtet sich nicht nur nach der Wirtschaft, nach der Gesellschaft, sondern auch nach dem Einzelnen. Erlaubt ihm die beste Entfaltung im Rahmen der gesellschaftlichen Bedürfnisse.

Leider zeigt die Wirtschaft an solcher Bildung kein Interesse. Sie fordert ausbildungswillige Schulabsolventen, die bereits einen Wissensberg mitbringen, die mit Kreativität und Durchsetzungsvermögen ihre Karriere vorantreiben und dem Unternehmen möglichst viel Geld in die Kasse spülen.
Man sollte sich aber fragen, ob ein selektives Schulsystem das kindliche Potenzial tatsächlich am besten nutzt, oder ob der Gesellschaft dadurch nicht große Talente verloren gehen (und hohe Kosten entstehen, um unqualifizierte Arbeitslose "durchzufüttern"). Gute Bildungspolitik zeichnet sich v.a. durch Stabilität aus, die Schülern nicht alle paare Jahre eine Änderung präsentiert. Sie zeichnet sich durch Einsatz aus, durch Begeisterung der Lehrer und Schüler. Aber solange Kinder nur nach ihrem späteren wirtschaftlichen Potenzial bewertet werden und dieses so früh und so gut wie möglich ausbilden müssen, solange Schwächere zu Außenseitern werden, weil im hektischen Bildungsalltag keine Zeit für sie bleibt - solange kann von wahrer Bildung keine Rede sein.

 
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