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Motivation

Problematischer Schulalltag

Konsum als einziger Lebenssinn?

Kaum Beziehungen zu Lehrern, Eltern, Freunden

Während Schüler sich über ihre Lehrer beklagen, murren die über die Schüler. Sie seien zu unmotiviert, undiszipliniert, unfreudig bei der Sache, gelangweilt, uninteressiert, unkooperativ, unverständlich … Gern wird dabei der Ruf nach mehr Disziplin laut. Tatsächlich ist es Knochenarbeit, einer Gruppe Jugendlicher Unterricht zu erteilen, wenn diese mit allem beschäftigt ist, nur nicht mit dem Lernstoff.

Doch mangelnde Disziplin ist nur das Symptom einer tiefer liegenden Störung. Es fehlt an guter Pädagogik, die das quasi ganz nebenbei zurechtböge. Statt sich über das Fehlverhalten Jugendlicher zu äußern, sollten Erwachsene versuchen, sie zu motivieren. Zuwendung, Interesse und Beachtung sind die Schlüsselwörter, mit denen sich Lernende für ein Thema begeistern können.
Kinder verlangen danach, als Person wahrgenommen zu werden, verlangen Auseinandersetzung mit ihren Sonnen- und Schattenseiten. Leider fehlen ihnen oft Beziehungen, nicht nur zu Lehrern sondern bereits zu Eltern, Verwandten, Freunden. Häufig stehen sie allein im Leben, mit Fernseher und Computer zur Ablenkung. Sie wachsen in einer Welt auf, in der außer Verdienen, Ausgeben und Konsumieren kaum Werte existieren.
Doch Minderjährige suchen einen Sinn im Leben, eine Aufgabe. Sie möchten erfahren, gebraucht zu werden, wichtig zu sein, sich nützlich machen zu können. Hierzu eigenen sich künstlerische oder soziale Projekte, die über das übliche schulische Bücherwissen hinausreichen.
Natürlich sei damit nicht gesagt, den Jugendlichen völlig freie Hand zu lassen. Neben Zuwendung benötigen sie auch Leitung, möchten ihre Ziele erfahren. Die Balance zeigt sich eben in einer guten Pädagogik, die heute jedoch leider kaum noch eine Rolle spielt.

Wer als Lehrer nur eine Wochenstunde in einer Klasse mit 32 Schülern gibt, kann natürlich kaum persönliche Bindungen aufbauen. Hier steht zunächst eine Minderung der Schülerzahl an, doch können Lehrer auch durch ihren Auftritt viel bewirken. Sie sollten authentisch wirken, ihren Charakter zeigen. Kinder wollen doch sehen, wofür eine Person einsteht, sei es der Pädagoge oder der Vater!
Leider erfahren angehende Lehrer während des Studiums kaum, wie sie mit einer Klasse am besten umgehen, und auch Eltern fühlen sich oft überfordert in ihrem "Beruf". Hier hilft eine bessere Zusammenarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen und Eltern. Eine solide Erziehungsausbildung der Lehrer ist darüber hinaus schon deshalb wichtig, da diese verstärkt die Erziehung übernehmen - sei es, weil die Eltern es nicht schaffen oder weil die Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen.

"Lob der Schule", von Joachim Bauer
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