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Privatschulen

Bildung als Scheidewand?

Trend zu Schulalternativen

Privatschulen in Deutschland

Um die hundert neue Privatschulen öffnen in Deutschland jährlich ihre Pforten, natürlich stark unterschiedlich hinsichtlich Zielen und Werten. Als größte Schulträger stehen katholische und evangelische Kirche da. Ihnen folgen etwa zweihundert Waldorfschulen, Montessori-Bildungseinrichtungen, außerdem um die zwanzig internationale Schulen, Landeserziehungsheime und Freie Schulen, gegründet durch Eltern.
Privatschulen liegen groß im Trend. Obwohl allgemeine Schülerzahlen sinken, steigen die an alternativen Schulen. Allein in Baden-Württemberg wuchs die Zahl der Zöglinge an privaten beruflichen Schulen um über 25 Prozent; Fachschulabsolventen stammen dort zu einem Drittel aus privaten Schulen.
Zwanzig Prozent der baden-württembergischen Eltern sähen ihren Sprössling lieber an einer Privatschule; dreißig Prozent wären es, wenn sie es sich leisten könnten. Das Schulgeld verschlingt monatlich schon mal einen Hunderter; ein Internat natürlich das sechs- bis achtfache. Zwar befinden sich Privatschulen unter Aufsicht des Ministeriums, doch hilft das Land nur teilweise bei der Finanzierung. Bald sollen immerhin achtzig Prozent gezahlt werden.

Ursache für die Abkehr könnte die geringe Reformfreudigkeit staatlicher Schulen sein. Nicht nur Gebäude sind in vielen Fällen sanierungsbedürftig sondern auch der Geist. Meist entstanden Neuerungen (Schulform Internat, Orientierungspläne für Kindergärten …) an Privatschulen, bis sie anschließend auch von gewöhnlichen Schulen übernommen wurden.
Aber vielleicht liegt die Ursache auch ganz woanders. In einer Zeit, in der gute Bildung immer mehr Bedeutung für die Karriere gewinnt, in der man über wachsende Arbeitslosenzahlen klagt und man sich denken kann, dass der Wohlstand sich vermutlich nicht mehr lange halten wird, in dieser Zeit wollen Eltern für ihre Kinder die richtige Entscheidung treffen.

Manch einer sieht in der größeren Bedeutung von Privatschulen eine Chance. Während es früher in vielen Orten nur eine Schule gab, so bieten sich heute Alternativen. Lehrer können sich nicht mehr in ihren Stühlen zurücklehnen, da die Schüler gezwungenermaßen zu ihnen pilgern werden, sondern haben umzudenken.

Zu beachten ist jedoch auch die Problematik, die mit dem Trend zu Privatschulen auftaucht. Sie besuchen nur Kinder von Eltern, die zum einen über ausreichend Geld verfügen, zum anderen Wert auf Bildung legen. So entsteht z.B. der geringe Ausländeranteil, der erneut auf die Benachteiligung von Kindern bildungsferner Eltern hinweist.
Gefordert wird damit keine Schließung der Privatschulen sondern eine qualitativ hochwertige Ausstattung "gewöhnlicher" Schulen, sei es hinsichtlich der Pädagogen, der Unterrichtsinhalte, der Materialien … Damit Bildung künftig nicht arm und reich scheidet.

Übrigens: Die Niederlande weisen einen Privatschüleranteil von 76 Prozent auf. Großbritannien trumpft mit 41 Prozent, Frankreich mit 21. In Deutschland liegt die Quote nur bei sieben Prozent.

 
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